Wenn Familien sich verändern, verändert sich alles – Gefühle, Alltag, Beziehungen. In unseren Themenwochen sprechen wir darüber, was eine Scheidung der Eltern mit uns macht, wie Patchworkfamilien funktionieren können und wo wir Halt finden, wenn plötzlich vieles anders ist. Offene Gespräche, ehrliche Geschichten, spannende Einblicke.
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Hallo in die Runde,
bei Patchwork denke ich unweigerlich an die Nähtechnik, bei der kleine Stoffstücke zusammengesetzt werden, um ein großes Ganzes zu schaffen - zum Beispiel ein Quillt. Kennt ihr sowas?
Ein anderes Wort wäre vielleicht "Tagesdecke", klingt aus meiner Sicht aber nicht so schön.
Die verschiedenen Stoffe, die zusammenkommen, schaffen ein einzigartiges Muster. Diese Konstellation bringt sowohl fröhliche Farben, als auch gelegentlich Falten, die es zu glätten gilt.
Auf der einen Seite stelle ich mir das Leben in einer Patchworkfamilie wie einen frischen Wind vor, der fruchtbare Ideen und neue Perspektiven bringt. Kinder gewinnen zusätzliche Bezugspersonen, die ihre Welt bestenfalls erweitern. In dieser bunten Gemeinschaft kann ein Gefühl von Zusammenhalt und Zugehörigkeit entstehen, das durch gemeinsame Erlebnisse wie Ausflüge oder Spieleabende geknüpft wird und das Band zwischen den Mitgliedern stärkt.
Doch auf der anderen Seite gibt es wie bei jedem Quillt auch Fäden, die sich verheddern können. Unterschiedliche Erziehungsstile und Konflikte in den Erwartungen können zu Spannungen führen, die wie störende Nähte wirken. Eifersucht und Unsicherheiten können auftauchen, wenn Kinder zwischen verschiedenen Haushalten pendeln oder sich in der neuen Familiendynamik zurechtfinden müssen.
Um bei er Nähtechnik zu bleiben:
Wie habt ihr erlebt, dass eure Familien "aufgetrennt" und neu "vernäht" wurden? Was war bereichernd, was waren die größten Herausforderungen?
Liebe Grüße.
bke-Fritzi
Hi Maya,
danke für Deinen Beitrag. wie geht es Euch denn mit Patchwork? Welche Erfahrungen habt Ihr gemacht? Oder welche Ideen habt Ihr dazu?
Viele Grüße, bke-Stephan
Liebes Forum,
bei vielen von Euch haben sich die Eltern getrennt. Was ich gerne als Erstes sagen möchte: Es ist – fast – genauso „normal“, dass Eltern sich trennen, wie bei Eltern aufzuwachsen, die zusammenleben. Sehr viele Eltern trennen sich und oft gibt es auch gute Gründe dafür. Es ist meistens besser, vor allem für die Kinder, wenn Eltern sich trennen, als in jahrelangem destruktivem Streit zusammenzuleben.
Ich habe Euch mal ein paar Zahlen besorgt, wie viele Kinder in Deutschland von Scheidungen betroffen sind. Da sind die vielen vielen Familien nicht mitgerechnet, deren Eltern nicht verheiratet waren (allerdings sind 87 % der Eltern verheiratet, Stand 2023).
(https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Eheschliessungen-Ehescheidungen-Lebenspartnerschaften/Tabellen/ehescheidungen-kinder.html)
2023 lebten 25% der Kinder bei alleinerziehenden Elternpersonen (wobei hier die Frage, ist, wie „alleinerziehend“ definiert wird, darauf gehe ich aber nicht ein).
(https://stark-familie.info/media/filer_public/b0/b3/b0b3740a-0261-46f7-ac8b-9bb98018a75a/stark_trennung_und_scheidung_in_deutschland_in_zahlen.pdf)
Das Bundesfamilienministerium sagt; „Je nach Datenquelle sind etwa 7–13 Prozent der Familien in Deutschland Stief- bzw. Patchworkfamilien.“
(https://www.bmbfsfj.bund.de/resource/blob/76242/1ab4cc12c386789b943fc7e12fdef6a1/monitor-familienforschung-ausgabe-31-data.pdf)
Das bedeutet: So genau weiß es eigentlich niemand (je nach Datenquelle). Ich vermute, dass es viel mehr sind, die Familien hier aber statistisch nicht erfasst werden. Klar ist aber: Das sind ganz schön viele und meiner Meinung nach ist es auch gut, dass Menschen sich lieben und zusammenfinden.
Aber: Für die Kinder ist das oft heftig und sie müssen damit klarkommen, dass die Eltern diese Entscheidungen treffen. Wichtig: Die Eltern! Denn: Kein einziges Kind auf der Welt ist dafür verantwortlich, ob sich die Eltern trennen, zusammenbleiben, neue Liebesbeziehungen eingehen. Das ist immer (!) die Entscheidung der Eltern. Manchmal auch die Entscheidung einer einzigen Elternperson (ich schreibe nicht so gerne Elternteil). Denn eine/r alleine kann (und darf zum Glück) entscheiden, ob eine Partnerschaft beendet wird.
Ich habe so ein paar Ideen, was Kindern in Patchworkfamilien guttun würde. Mich würde interessieren, ob Ihr bei den Ideen mitgehen könnt und welche Ideen Ihr dazu habt. Und natürlich ist das ein Thema, bei dem wir für Euch da sind, mit Beratungen hier im Forum, in den Chats und auch in der Einzelberatung.
Ich finde, Kinder sollten bei Trennung immer jeder Elternperson alles sagen dürfen. Auch wenn es um die neuen Beziehungen geht. Es ist also ok zu sagen: Ich habe den neuen Partner von Mama richtig gern. Oder eben auch nicht. Oder: „Boah, die hatten heute echt viel Streit, ich bin froh, dass ich jetzt bei Dir bin.“ Das bedeutet natürlich nicht, dass die anderen komplett bescheuert sind, dass man da nicht mehr hinwill. Und vernünftige Elternpersonen verstehen das.
Den getrennt lebenden Eltern sollte klar sein, dass eine Entscheidung auf der einen Seite immer auch Auswirkungen auf die andere Seite hat. Welcher Sportverein ist gut? Welches Urlaubsziel? Welche digitalen Medien werden genutzt? Welche Geschenke werden gemacht? Alle diese vermeintlich leichten Themen können große Folgen nach sich ziehen. Es wäre prima, wenn Eltern das verstehen. Was könnt Ihr dafür tun? Meiner Meinung nach: sagen, was Euch nervt und was Euch guttut! Habt Ihr damit Erfahrungen?
Jetzt höre ich mal auf zu schreiben. Zu lange Texte nerven sicher, auch wenn es mich echt in den Fingern juckt, noch ungefähr 25 Seiten dazuzuschreiben, weil ich dieses Thema so wichtig finde. Eben, weil Trennungen und Patchwork zum Familienleben dazu gehören und es so super ist, vor allem für die betroffenen Kinder, wenn es gute Lösungen und Umgangsweisen gibt.
Ich freue mich auf Eure Beiträge.
Viele Grüße,
bke-Stephan